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Tinnitusgeschichten #2



Tinnitusgeschichten #2

Wie stark muss Tinnitus sein, damit er stört oder Einfluss auf die psychische Gesundheit hat?

Das ist keine Größe, die man gut und sicher erfassen kann, da der Tinnitus von jedem Menschen anders und individuell bewertet wird!

So kann ein Tinnitus mit subjektiv sehr geringem Pegel einen sehr hohen Leidensdruck verursachen, wogegen es Menschen gibt, die einen sehr lauten Tinnitus haben und er stört sie nicht.

Ich selber habe seit ca. 35 Jahren Tinnitus. Ich habe sehr darunter gelitten. Im Jahre 2000 habe ich eine Ausbildung als Tinnitus Retrainer bei Prof. Dr. P. Jasteboff (USA) abgeschlossen und das Tinnitus-Retraining an mir selbst angewandt. Seit dem stört mich mein Tinnitus nicht mehr.

Das ist grundsätzlich das Ziel: Der Tinnitus soll nicht mehr stören.

Ob der Tinnitus nicht mehr gehört wird oder ob er zwar da ist und in keiner Weise mehr stört ist unerheblich. Wichtig ist der verminderte oder gänzlich fehlende Leidensdruck.

Oftmals ist es für Betroffene schon hilfreich überhaupt wahrgenommen zu werden.
So hatte ich vor kurzem ein Gespräch mit einem Herrn über seinen Tinnitus.
Der Herr kam dann nach ca. einer Woche wieder zu mir und erzählte freudestrahlend, sein Tinnitus wäre immer noch da aber nach unserem Gespräch ginge es ihm deutlich besser. Er fühle sich seit langem endlich mal verstanden und er würde seinen Tinnitus nun viel besser akzeptieren.

Bei chronischem Tinnitus, welcher eine Fehlfunktion in der Wahrnehmung ist, kann schon Empathie und einfühlsames Zuhören (wichtig: nicht nur einfach Zuhören!) eine große Hilfe sein.
Im NLP (Neuro Linguistische Programmierung) nennt man das Rapport aufbauen. Dieses Gefühl „endlich mal verstanden zu werden“ hilft vielen Betroffenen schon ungemein.

Wie kann man Tinnitus eigentlich messen?
Das geht nur mit einem Vergleich. Dazu auf dem gegenüber liegenden Ohr ein Ton oder ein Rauschen vorgespielt. Dann wird die Lautstärke verändert. Wenn der Klient den Messton genauso laut hört, wie seinen Tinnitus, dann hat man eine Messwert, der die Lautstärke des Tinnitus angibt.
Eine weitere Messgröße ist die Lautstärke, bei der der Tinnitus quasi „zugedeckt“ wird, die sogenannte Verdeckungsschwelle.
Dazu wird auf dem Tinnitusohr ein Signal vorgespielt und die Lautstärke erhöht. Ab einer bestimmten Stärke ist das Signal so laut, dass der Tinnitus vom Signal verdeckt wird. Das ist ein weiterer Anhaltspunkt für die empfundene Tinnitus Lautstärke.


In einem der nächsten Blog-Artikel werde ich noch mehr auf den Tinnitus eingehen und auch praktische Übungen für den Umgang mit chronischem Tinnitus vermitteln.


Liebe Grüße
Dein und Euer Udo




Ach ja: noch was zum objektiven Tinnitus. Im Gegensatz zum oben beschriebenen Tinnitus gibt es eine Art Tinnitus den auch andere hören können.
Bei dieser besonderen Art des Tinnitus sind die Muskeln des Mittelohres beteiligt. Wir haben hinter dem Trommelfell die Gehörknöchelchen (na, kommt da etwas Schulwissen wieder hervor? :-)
Diese Knöchelchen sorgen für die mechanische Übertagung des Schalls. An diesen Knöchelchen setzen auch kleine Muskeln an. Wenn diese Muskel aus irgendeinem Grund anfangen zu „zittern“, dann bewegt sich auch das Trommelfell mit. So kann der Betroffene ein Brummen hören aber auch Aussenstehende können ihr Ohr an das Ohr des Betroffenen legen und hören eventuell (bei entsprechender Stärke) den Ton auch.