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Ohrenschmalz. Nichts für die Stulle :-)



Ohrenschmalz. Nichts für die Stulle :-)


Ich höre bei Vorträgen immer wieder „Ihhhh, Ohrenschmalz!“.
Am Ende der Vorträge ist die Verblüffung groß, dass da nix mit „Ihhhh“ ist. Da wird eher gestaunt :-)
Ohrenschmalz oder auch Cerumen genannt ist eine tolle Erfindung.

Da ist zunächst einmal die schöne Funktion der Krabbeltierabwehr:
Unser Cerumen enthält
Bitter- und Farbstoffe, die Tierchen davon abhalten in den Gehörgang zu krabbeln.
Und das funktioniert auch sehr gut.

Nur manchmal gibt es Situationen, da kann auch der Cerumen nicht helfen. So hatte ich einmal eine Klientin, die klagte über Geräusche im Ohr.
Als Tinnitus Retrainer sprang ich gleich darauf an und vermutete einen Tinnitus.
Dann otoskopierte ich die Klientin. Dabei schaue ich mit einer Lampe in den Gehörgang und kann dabei bis an das Trommelfell sehen.
Im ersten Moment war mir nicht klar, was ich da sah.
Es war nicht das Trommelfell, da war ich sicher ;-)
Es war dunkelbraun und irgendwie „knäulig“. Dann bewegte sich das Knäuel etwas und ich sah eine kleine, verängstigte Spinne vor dem Trommelfell sitzen.
Jede kleine Bewegung der Spinne versetzte das Trommelfell in Schwingung und das war das Geräusch, welches die Klientin sehr laut hörte.

Und das kann sehr laut sein! Ich weiß wovon ich spreche.

Ich habe recht gerade Gehörgänge. Da kommt es ab und zu mal vor, dass sich nach dem Haare schneiden ein Haar in den Gehörgang verirrt. Wenn dieses Haar dann am Trommelfell zu liegen kommt, höre ich bei Kieferbewegungen immer ein Schrappeln und Rascheln. Und das nur von einem Haar! Das kann gewaltig nerven :-)

Und dann liegt da auf einmal eine lebendige Spinne am Trommelfell! Das dürfte ordentlich Geräusche geben…
Am Ende hat der Hals- Nasen- Ohrenarzt das Tierchen wieder herausgeholt.
Die Spinne dürfte sich nicht wohlgefühlt haben, dort im Ohr. Ich denke, sie wäre aus Angst aber erstmal nicht von selber wieder herausgekrochen.
Wie die Dame mir erzählte, hatte sie unter einem Baum in ihrem Garten an einen Beet gearbeitet.
Dann wurde sie von ihrem Mann gerufen und drehte den Kopf so zur Seite, dass ein Ohr nach oben zeigte. In diesem Moment muss die Spinne im freien Fall vom Baum gekommen sein, und flupp… im Gehörgang verschwunden ;-)

Nun kommt so etwas nur sehr selten vor. Also keine Angst vor Krabbeltieren. Von selber krabbelt dort, Cerumen sei dank, kein Tierchen hinein.

Als eine weitere Eigenschaft sei noch die stark desinfizierende Wirkung des Cerumen genannt.
Da hatte ich einen Klienten, der unterbrach mich, als ich ihm den Cerumen erklärte.
„Mir müssen Sie das nicht erzählen“, sagte er, „ich bin Jäger. Wenn ich mich mal im Wald irgendwo an einem Ast kratze und eine oberflächliche Wunde habe, dann stecke ich mir einen Finger ins Ohr und hole etwas Ohrenschmalz heraus. Dann streiche ich das auf die Wunde. Ich hatte noch nie eine ernsthafte Entzündung!“

Du siehst also: Nicht Ihhh! Sondern aha ;-) Cerumen ist eine tolle Erfindung des Körpers. Was Cerumen sonst noch im Gehörgang so macht, davon in einem anderen Blog-Artikel mehr.

Liebe Grüße
Dein und Euer Udo